Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Haben wir es nicht schon immer geahnt: Erfolg stellt sich nicht alleine aufgrund einer guten Idee ein, sondern beruht immer auf vertrauensvoller Teamarbeit und einem funktionierenden Beziehungsgeflecht. Besonders wirtschaftlicher Erfolg funktioniert in einer modernen Gesellschaft schon lange nicht mehr unter dem Motto: eine Hand wäscht die andere, von manchen auch als Vitamin B oder „Old Boys Network“ bezeichnet. Im Gegenteil, sich darauf zu verlassen ist heutzutage oft gefährlich und vor allem unprofessionell.

Nie haben aber Netzwerke mehr Sinn gemacht als in der heutigen Zeit mit umfänglich vernetzten Partnerschaften. Vor dem Hintergrund eines finanziell gebeutelten Gesundheitswesens mit allen Unsicherheiten politischer Willkür kann ein gut funktionierendes Netzwerk Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität bedeuten. Gut funktionierend bedeutet aber, dass man mit ehrlichen Partnern eine vertrauensvolle Beziehung aufbaut und die besonderen Fähigkeiten jedes Einzelnen in diesem Netzwerk zu einer sinnvollen und schlagkräftigen Partnerschaft einsetzt. Wohl gemerkt: immer im Dienst der Sache.

Eine gemeinsame Aufgabe mit einem gemeinsamen Ziel nur in egoistischer Weise nutzen zu wollen, um Geld, Einfluss und Macht zu erhöhen, ist eigentlich Kinderkram und funktioniert heutzutage weniger als je zuvor. Ehrlichkeit und Vertrauen sind absolut keine veralteten Begriffe, sondern waren nie wichtiger als heute als Voraussetzung einer gut funktionierenden und erfolgreichen Partnerschaft. Beim Spiel jeder gegen jeden - außer im Sport - ist noch selten ein wirklicher Sieg errungen worden.

Jetzt wird sich manch einer unserer Leser fragen, warum ich ausgerechnet dieses Thema als Editorial im Adipositas Spektrum wähle? Ich möchte für eine funktionierende Allianz von allen Beteiligten plädieren, die sich der Forschung und Lehre, Beratung und Betreuung und besonders der gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Bedrohung durch das Krankheitsbild Adipositas widmen. Die Mitglieder der DAG, die Forschenden, die Lehrenden und die Praktizierenden, die Krankenkassen und Versicherungsgesellschaften, die pharmazeutische Industrie und die Betroffenen könnten in einem gemeinsamen Bündnis für das Fortkommen und den Erfolg jedes beteiligten Partners stehen.

Erfolg ist eben doch eine Funktion guter Zusammenarbeit, und die will ich auch für Interdisziplinarität beschwören, die zur ganzheitlichen Behandlung und Betreuung unserer Patienten unabdingbar ist. Es ist doch offensichtlich, dass Adiposiologen, Diabetologen, Kardiologen, Angiologen, Psychologen und Chirurgen, aber auch Sportmediziner und Ernährungs- oder Diätberater sich an der Hand nehmen sollten und die produktive Kraft einer guten Beziehung für den Erfolg in der Sache einsetzen sollten.

Von dieser Idee getragen wurde im April die Adipositas Stiftung Deutschland gegründet. Der wesentliche Stiftungsgedanke besteht darin, wie sich diese partnerschaftliche Interdisziplinarität realisieren lässt, um der Epidemie Adipositas ganzheitlich zu begegnen.

Vielleicht kann die Adipositas Stiftung Deutschland eine Plattform sein, die sich als Modell für die Zukunft eignet.