Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Es bewegt sich etwas in Deutschland. Diese Feststellung gilt leider noch nicht für den überwiegenden Teil der Bevölkerung, aber das soll sich bald ändern. Geht es zumindest nach dem Willen der Bundesregierung und ihrem vor wenigen Tagen beschlossenen Nationalen Aktionsplan, dann nimmt der Kampf gegen das Übergewicht allmählich Fahrt auf. Dieses ist natürlich komplett in unserem Sinne und geht nicht zuletzt auf die Initiative des Präsidenten der DAG und seiner Mitstreiter zurück. Lesen Sie dazu auch eine Stellungnahme von Prof. Müller in diesem Heft von AdipositasSpektrum. Gerne verstehen wir unsere Zeitschrift in Zukunft noch mehr nicht nur als Sprachrohr der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, sondern als gemeinsames Forum aller derjenigen, die gemeinsam im Rahmen des Nationalen Aktionsplans für Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit assoziierten Krankheiten kämpfen. Dieses wird nur erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten in ständigem Austausch stehen und die Dialogbereitschaft nicht verlieren.
Letzteres betrifft auch kontrovers und emotional diskutierte Themen wie die Lebensmittelkennzeichnung. Frau Dr. Stefanie Gerlach, Ernährungswissenschaftlerin und als Mediensprecherin im Vorstand der DAG, fasst in unserem aktuellen Heft nicht nur den Stand der Diskussion, sondern auch die damit für eine wissenschaftliche Fachgesellschaft verbundene Problematik einer Stellungnahme sehr schön zusammen. Es ist grundsätzlich einfach, den Fortgang einer laufenden Diskussion so lange abzuwarten, bis man sicher sein kann, sein Fähnchen solide im Wind positionieren zu können. Dieses nicht selten unserer Kanzlerin eigene Politikverständnis eignet sich jedoch für die „Politik“ einer Fachgesellschaft nur bedingt. Wir wollen und wir müssen uns frühzeitig positionieren und aktiv einmischen. Wenn wir dieses tun, dann müssen wir allerdings die vorhandene Evidenz benennen und auch auf Lücken in der Evidenz hinweisen. Viel zu selten ist Gelegenheit, derart gewichtige Fragen in den verschiedenen Gremien einer Fachgesellschaft zu diskutieren, um dann bestmöglich ein Meinungsbild nach außen vermitteln zu können. Kein Vorstandsmitglied vermag zu sagen, wie ein repräsentatives Meinungsbild der DAG-Mitglieder in der Frage der Lebensmittelkennzeichnung ausfallen würde. Die im Herbst bevorstehende DAG-Jahrestagung in Freiburg sollte ein gutes Forum für derartige Diskussionen sein. Wenn das Bewusstsein unter den Mitgliedern der DAG für eine zunehmende Politisierung des Themas Adipositas und damit auch der Fachgesellschaft steigt, dann sollte gleichzeitig die Diskussionsbereitschaft innerhalb der DAG zunehmen. Insbesondere der Vorstand würde sich über eine größere Zahl von Wortmeldungen, Anregungen und Initiativen aus der Mitgliederschaft freuen.
Ebenso freuen würden wir uns über eine weiter steigende Mitgliedzahl. Wenn Sie am Thema Adipositas interessiert sind und noch nicht Mitglied der DAG sind, dann denken Sie doch einmal darüber nach. Und wenn Sie bereits Mitglied sind, dann motivieren Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen Berufsgruppen, die an Prävention und Therapie von Adipositas beteiligt sind, ebenfalls in die DAG einzutreten. Auch das würde unsere Stimme für die wichtigen zukünftigen Aufgaben stärken.
Schließlich noch ein letzter Hinweis: Aktionspläne setzen naturgemäß sehr stark auf Prävention, worüber wir die Therapie nicht vergessen dürfen. Qualitativ gute und erfolgreiche Adipositastherapie kann durch eine Zertifizierung gewürdigt werden, wie sie von der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) an bisher 30 stationäre bzw. ambulante Einrichtungen verliehen wurde. Im aktuellen Heft finden Sie eine Auflistung der zertifizierten Einrichtungen für Kinder und Jugendliche.
Herzliche Grüße
Ihr

