Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Wie so oft in der Urlaubszeit hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) am 24.07.2008 seinen Bericht zur Leitlinienrecherche und -bewertung für ein DMP-Modul Adipositas veröffentlicht. Stellungnahmen zu diesem Bericht wurden – wie üblich – innerhalb von vier Wochen erbeten.
Obwohl nach einigen Berichten, insbesondere zur Nutzenbewertung verschiedener Arzneimittel, teilweise ein Aufschrei durch die Ärzteschaft und andere Interessengruppen ging, verursachte der aktuelle Bericht vergleichsweise wenige Reaktionen. Dies mag einerseits damit zu tun haben, dass hier kommerzielle Interessen – anders als bei Arzneimitteln – nur am Rande berührt sind. Andererseits enthält der Bericht in diesem Fall auch kaum Sprengstoff, der für hitzige Diskussionen hätte sorgen können.
Insgesamt ist es als erfreulich zu bewerten, dass der Weg zu dem bereits vor einigen Jahren von der DAG angestoßenen DMP-Modul Adipositas offensichtlich konsequent weiter gegangen wird. Noch bevor sich die Experten mit den möglichen Inhalten des DMP-Moduls Adipositas befassen können, bewertet der IQWiG-Bericht aktuelle Leitlinienempfehlungen zur Behandlung der Adipositas. Unter den zehn als qualitativ hochwertig – entsprechend den vorgesehenen Ein- und Ausschlusskriterien – genannten Leitlinien befand sich auch die Leitlinie der DAG. Es wurden übereinstimmende und z.T. divergente Empfehlungen zu wesentlichen Bereichen der Adipositas identifiziert. Diese betreffen insbesondere die Ernährungs-, Bewegungs-, Verhaltens- und Psychotherapie sowie die operative Therapie. Noch offen bleibt der Verlauf des DMP-Moduls Adipositas, das naturgemäß am ehesten mit den bereits exisiterenden DMP´s Typ-2-Diabetes und koronare Herzerkrankung korreliert. Aus der Sicht einer Fachgesellschaft wäre es wünschenswert, dass die in der DAG vertretene Kompetenz zur Adipositastherapie nicht unberücksichtigt bliebe.
Adipositas fordert eine interdisziplinäre Therapie, was sich in der zunehmenden Zahl fachübergreifender strukturierter Behandlungsprogramme widerspiegelt. Insofern ist es unbefriedigend, dass diesbezügliche Anregungen an das IQWiG nicht aufgegriffen und interdisziplinäre Therapieprogramme systematisch aus den Leitlinien extrahiert werden. Unser Ziel als Adipositastherapeuten sollte es sein, mehr Menschen die Teilnahme an strukturierten und gut evaluierten Programmen zu ermöglichen und eine adäquate Kostenübernahme anzustreben.
Mit den nachgewiesenen Erfolgen der Gewichtsabnahme sind weitere Erfolgskriterien verbunden, wie die Verbesserungen der Adipositas-assoziierten Risikofaktoren und des Gesundheitsverhaltens sowie die Steigerung der Lebensqualität. Selbst mit einem sorgfältig strukturierten und organisierten Programm gestaltet sich die Adipositastherapie schwierig, wie die Daten von 1.912 Patienten aus dem M.O.B.I.L.I.S. Programm belegen, die erstmals in dieser Ausgabe veröffentlicht werden.
Wichtig ist es, dass auch andere Anbieter entsprechende Daten veröffentlichen, weil ohne entsprechende Daten zur Evidence auch die Übernahme der Kosten nicht erfolgen wird. Von dem seit vielen Jahren mit teilweise gutem Erfolg durchgeführten Optifast-Programm sind bedauerlicher Weise nur wenige Daten publiziert, und hier sollten wir entsprechende Veröffentlichungen einfordern.
Eine gute Möglichkeit, Daten zur Adipositastherapie zu diskutieren, stellt die 24. Jahrestagung der DAG in Freiburg dar. AdipositasSpektrum wird selbstverständlich präsent sein und in den nächsten Ausgaben über die Highlights des Kongresses informieren.
Herzliche Grüße
Ihr

